Geborgenheit

Ein Gefühl, über das ich in letzter Zeit sehr oft nachgedacht habe. Es ist nicht leicht, sich damit zu beschäftigen, wenn es so oft nicht da war, wenn es nötig gewesen wäre. Ich versuche mich zu erinnern, wann ich mich als Kind geborgen gefühlt habe… erstmal gefolgt von einem großen Vakuum. Es kommt lange nichts, keine Erinnerung. Als könnte mein inneres Kind mit diesem Begriff nichts anfangen. Dann sehe ich mich im Stroh sitzen, in der Box meines Pflegepferdes, im dunklen Stall, die Boxentür von innen zugezogen, so dass mich von draußen niemand sehen kann. Das Pferd zermalmt mit einem beruhigenden Geräusch das Heu. Oder ich sitze allein im Wald mit 10 Jahren, mit weniger Angst als zuhause. Oder vertiefe mich so sehr in ein Buch, dass ich den Rest vergesse. Oder stelle mir vor, liebevolle Lehrer wären meine Eltern. Wenn die Stunde vorbei ist, nehmen sie mich sicher an der Hand und mit zu ihnen nach Hause. Wenn ich es so aufschreibe, klingt es irgendwie schon traurig. Aber damals… The best I could get. Man muss nehmen, was man bekommt, auch wenn es nur in der Fantasie existiert. Ich denke jedenfalls nicht an mein eigentliches Zuhause, wenn ich mich an Geborgenheit erinnern will. Nicht an meine Eltern. Da spüre ich keine Wärme, keine echte Verbindung. Ich habe funktioniert wie ein Roboter -bis zu einem gewissen Alter- und sie waren sicher froh darüber. Hauptsache das Kind funktioniert und hat keine nervigen Bedürfnisse. Man kann es herzeigen. Ich kann mittlerweile halbwegs sehen und akzeptieren, dass sie nur geben konnten, was sie selbst bekommen haben, aber es ist schwer. Und tut immer noch höllisch weh. Und macht immer noch scheiß wütend, wenn ich mich länger damit beschäftige.

Heute habe ich wieder ein Pferd, neben dem ich sitzen kann, wenn ich mich gerade so gar nicht geborgen fühle. Aber ich bin jetzt er-wachsener. Ich muss nicht mehr zu meinen Eltern zurück, wenn ich „nach Hause“ gehe, sondern habe tatsächlich ein kleines, geschütztes Stück Heimat und Geborgenheit selbst erschaffen. Weg von alledem, eine Wohnung mit einem Menschen, der mir dieses Gefühl oft, nicht immer, geben kann. Mit einem Kater. Mit sehr vielen Büchern, das ist geblieben. Zuhause ist durch die Straßen zu gehen, ohne Ziel. Die Bäume, Sträucher und ja, auch die Straßenbahn. In ehrlichen Gesprächen mit Freunden. Sich eins zu fühlen mit der Außenwelt, verbunden, wenn auch nur für ganz kurze Momente. Geborgenheit gibt es jetzt jedenfalls immer öfter. Sie liegt in vielen verschiedenen Dingen, den kleinen.

Ähm… hi.

Vorhin ist es mir plötzlich in den Kopf geschossen. Warum nicht einen Blog eröffnen statt seitenweise Bücher vollzuschreiben? Ja. Warum? Um Aufmerksamkeit zu bekommen? Frei schreiben zu können? Menschen zu erreichen, die mir ähnlich sind? Oder ganz anders? Mich erklären zu können? Ohne Verantwortung? Und wenn es dann niemanden interessiert? Ich scheitere ja schon an ’nem kreativen Namen für dieses Ding. Sonst tausend Worte, Zitate und Wortspiele im Kopf, unter Druck: Gähnende Leere. Der Klassiker. Mal schauen also, ob mir noch was Besseres einfällt. Oder ich versuche, unperfekt zu sein und lasse alles unzensiert so stehen. Wäre eine gute Übung für mich.

Wie immer habe ich mir Gedanken gemacht, bevor ich entschlossen habe, öffentlich über… ja, mich zu schreiben. Öffentlich. Das ist etwas, mit dem ich sonst nicht sehr nah in Berührung komme. Ich stehe sonst weder privat noch beruflich auf irgendwelchen Bühnen, ja, ich habe sogar unglaubliche Angst davor. Dazu sicher noch mehr, aber später. Wieder zurück zum Gedankenmachen. Am meisten beunruhigt mich, dass Arbeitgeber, Eltern, Freunde oder durch einen morphogenetischen Zufall gar mein Therapeut mich hier wiederfinden könnten. Sprich: Leute, die mich real kennen. Denn zu keinem bin ich völlig unzensiert und ich denke, das ist ausnahmsweise mal völlig normal und ok. Ich werde versuchen, so anonym wie möglich zu schreiben, um diesen Ort hier nutzen zu können (und gleichzeitig keine verrückten Stalker anzuziehen.)

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